Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Dirk Niebel zu Besuch am Fraunhofer IBMT

Innovative mobile Laborkonzepte des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik (IBMT) beeindrucken den Bundesminister Dirk Niebel

Presseinformation /

Der gemeinsame Kampf gegen die großen Zivilisationskrankheiten unserer Zeit wird Kontinente-übergreifend ausgefochten. Eine jahrelange erfolgreiche Zusammenarbeit auf dem Gebiet der HIV/AIDS-Forschung verbindet das saarländische Fraunhofer IBMT mit der Stellenbosch-Universität in Kapstadt (Südafrika).

© Fraunhofer IBMT, Bernd Müller.

Das zeigt sich nicht nur darin, dass die innovative Fraunhofer-Kryotechnologie nahezu »1:1« aus dem Saarland in ein regionales Kryolabor der Virologischen Abteilung am Tygerberg-Hospital in Kapstadt unter der Leitung von Professor Dr. Wolfgang Preiser, transferiert wurde. Seit dem Frühjahr 2011 schließt zudem das im Saarland entwickelte mobile Diagnostik-Labor für AIDS und Tuberkulose in der Westkap-Region Südafrikas die Lücke bei der Versorgung von Patienten, die aufgrund der weiten und oftmals sehr beschwerlichen Anreise zu einem Krankenhaus keinen schnellen HIV-Test durchführen können. Die »rollende« Diagnostik- und Therapieeinheit unterstützt die medizinischen Teams in entlegenen Gebieten Südafrikas.

Diese Arbeitsschwerpunkte und die Biobanken des Fraunhofer IBMT standen anlässlich des Besuchs des Bundes­ministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dirk Niebel, am 02. August 2011 im Saarland im Fokus. Er wurde vom Landesvorsitzenden der FDP, Dr. Oliver Luksic, MdB, sowie dem Direktor des Fraunhofer IBMT, Prof. Dr. Günter Fuhr, am Institutsstandort Sulzbach empfangen.  

Neben dem sogenannten »Fraunhofer-Bioarchiv«, dem technologischen Rückgrad der hoch entwickelten Kryolagertechnologie, das am Standort Sulzbach betrieben wird, entwickelt das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik u. a. neue, innovative Laborkonzepte, insbesondere auch für den mobilen Einsatz in Entwicklungsländern. Die jahrelangen Erfahrungen des Fraunhofer IBMT auf dem Gebiet der Laborautomatisierung münden nicht nur in der Entwicklung und Herstellung kompletter In-vitro-Zellkulturautomaten, miniaturisierten Chiplaboren sondern auch in den benannten einzig­artigen mobilen Diagnostikeinheiten der biologischen Sicherheits-
stufe 3. Das 2009 für die Straßen- und medizinische Nutzung freigegebene Fahrzeug befindet sich seit März 2011 in der Overberg-Region in Südafrika im Einsatz.

Das ambitionierte Projekt ist begründet auf einer Public-Private-Partnership zwischen den folgenden Partnern:

- Stellenbosch-Universität, Südafrika
- National DoH International Health Relations, Südafrika
- HOPE Cape Town Association, Südafrika
- National Health Laboratory Service (NHLS)
- Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT, Saar-
  land

Das mobile HIV-Diagnostiklabor für Südafrika ist ein erstes und erfolgreiches Implementierungsbeispiel für die vom saarländischen Ministerium für Wirtschaft und Wissenschaft geförderte und vom Fraunhofer IBMT koordinierte Initiative »Labor der Zukunft«. Neben der mobilen Komponente sollen hier für den modernen Laborbau grundlegende Konzepte wie Ressourceneffizienz, Ergonomie und Standardisierung aus dem Saarland heraus entwickelt und zur Anwendung gebracht werden (Website: http://labor-der-zukunft.com/).

Wie kaum ein anderes Thema muss die Labortechnologie vom Handwerk über die wissenschaftliche und ingenieurtechnische Beratung bis zu Automatisierungs- und Mobilitätslösungen branchen-, fach-, und ausbildungsübergreifend Fähigkeiten zusammenführen. Die Herausforderung besteht dabei darin, Low-tech- und High-tech-Zulieferer gleich­berechtigt in die Lage zu versetzen, in einem gemeinsamen Projekt eine wissenschaftlich motivierte Laborproduktion zu realisieren. Dazu bedarf es eines neuen Ansatzes der Technologiepolitik, welcher über die komplette Wertschöpfungskette hinweg von der angewandten Forschung über technologische Schlüsselindustrien, Handwerk bis hin zum potenziellen Nutzer alle Akteure integriert.

Minister Niebel zeigte sich beeindruckt von der Vielfalt der technologischen Ansätze und Innovationen am IBMT, die gleichsam als »Keimzelle« für weitreichende biomedizintechnische Entwicklungen und industrielle Produkteinführungen weit über die Grenzen des Saarlandes und Deutschlands hinaus dienen. Die technologischen Entwicklungen des Fraunhofer IBMT bergen ein großes Potenzial, insbesondere für die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Ländern, die einer Unterstützung bei ihrer technologischen und damit auch gesamten gesellschaftlichen Entwicklung bedürfen.

Als Motor vieler Aktivitäten wirkt auch das bekannteste Großlabor des Fraunhofer IBMT, das »HIV Specimen Cryorepository«, eine der modernsten Biobanken, die im Auftrag der Bill & Melinda Gates Foundation entwickelt, installiert und betrieben wird. Sie bildet ein Kernelement bei der weltweiten Suche nach einem Impfstoff gegen HIV-Infektionen. Das Fraunhofer IBMT und mit ihm das Saarland ist mit Abstand der größte Fördergeldempfänger der Bill & Melinda Gates Foundation in Deutschland.

Im Fraunhofer IBMT arbeiten Mediziner, Biologen, Ingenieure, Informatiker und Techniker sowie Laboranten Hand in Hand in mehr als 350 Auftragsprojekten in einer technologischen Breite, wie sie nur in der Fraunhofer-Gesellschaft, einer der weltweit größten Forschungsorganisationen mit der Aufgabe angewandter Industrieforschung, anzutreffen ist.

Ihr Ansprechpartner:
Prof. Dr. Günter R. Fuhr
Telefon: +49 (0) 6894 / 980 -100
E-Mail: guenter.fuhr@ibmt.fraunhofer.de