Anwendungsorientierte Kryokonservierung zur regenerativen Behandlung von altersbedingter Makuladegeneration (AMD)

Dr. Ina Meiser, Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT, Preisträgerin 2019 der Hans-und-Ruth-Giessen-Stiftung

Presseinformation / 13.6.2019

Die Hans-und-Ruth-Giessen-Stiftung verlieh am 13. Juni 2019 ihre Förderpreise 2019 an drei besonders begabte junge Menschen aus den Bereichen Naturwissenschaften und Klassische Musik. Die Schirmherrschaft dieser Preisverleihung 2019 hat der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans übernommen. Die Förderpreise 2019 - dotiert mit jeweils 20.000 € - gingen an Dr. Judith Becker (Naturwissenschaften), Dr. Ina Meiser (Naturwissenschaften) und Lisa Saterdag (Klassische Musik). Im Hinblick auf die Anzahl der Preisträger wurde in diesem Jahr die Fördersumme von 50.000 € auf 60.000 € erhöht.

© Fraunhofer IBMT.

Dr. Ina Meiser, Arbeitsgruppenleiterin "Kryobiotechnologie" am Fraunhofer IBMT, Preisträgerin der Hans-und-Ruth-Giessen-Stiftung 2019.

© Fraunhofer IBMT.

Dr. Ina Meiser, Arbeitsgruppenleiterin "Kryobiotechnologie" am Fraunhofer IBMT, Preisträgerin der Hans-und-Ruth-Giessen-Stiftung 2019.

Die Preisträger der ersten Preisverleihung im vergangenen Jahr, Beate M. Schmitt (Medizin) und Jonas Stark (Klassische Musik), waren bei der diesjährigen Preisverleihung anwesend und berichteten von ihren durch die erhaltenen Förderpreise ermöglichten Aktivitäten.

Die Preisträgerinnen 2019:

Dr. Ina Meiser, geb. 1982 in Lebach, promovierte 2014 an der Universität des Saarlandes über komplexe Zellsysteme im Kontext neuer Therapien und leitet seit 2016 die Arbeitsgruppe Kryobiotechnologie am Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT in Sulzbach (Saar). Sie möchte mit ihrem Vorhaben »Anwendungsorientierte Kryokonservierung zur regenerativen Behandlung von altersbedingter Makuladegeneration (AMD)« die verlustfreie Langzeitlagerung zellbasierter Transplantate realisieren und so eine Brücke zwischen künstlicher Gewebezüchtung (Tissue Engineering) im Labor und der Transplantation dieser Gewebe im OP schlagen. AMD ist eine der häufigsten Augenkrankheiten weltweit und die führende Ursache der Erblindung. Bislang kann AMD nur durch lebenslange Medikation verlangsamt, nicht aber geheilt werden.

In einem innovativen therapeutischen Ansatz, der sich bereits in klinischen Studien befindet, werden aus humanen induziert pluripotenten Stammzellen im Labor durch zeitintensive Differenzierungsprozesse funktionale Netzhaut-Zellen gezüchtet, die zur Regeneration der Sehkraft von AMD-Patienten verwendet werden sollen. Frau Dr. Meiser möchte mit ihrem Vorhaben die zeitlich uneingeschränkte Vorratshaltung dieser Zellen in einer applikationsgerechten Form realisieren, so dass eine breite Anwendung dieser vielversprechenden kurativen Therapie zur Routine werden kann und in greifbare Nähe rückt.

Mit dem ihr verliehenen Förderpreis möchte Frau Dr. Meiser einen Forschungsaufenthalt an einem Partnerinstitut in Frankreich finanzieren, um die anwendungsorientierte Kryokonservierung voranzutreiben und ihr Netzwerk für künftige Kooperationen auszubauen. Ebenso möchte sie die in der Zusammenarbeit entstandenen Ergebnisse auf Fachkonferenzen und in Fachzeitschriften veröffentlichen und diskutieren.


Dr. Judith Becker, geb. 1981 in Saarbrücken, forscht aktuell als akademische Rätin am Institut für Systembiotechnologie der Universität des Saarlandes. Sie studierte nach einem Einser-Abitur Human- und Molekularbiologie an der UdS und entdeckte dabei ihre Leidenschaft für die biotechnologische Forschung. So widmete sie sich im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Technischen Universität Braunschweig der Erforschung von Bakterien für den Einsatz in der Industrie. Nach einer herausragenden Promotion mit diversen Publikationen und Patenten kehrte Frau Dr. Becker wieder in die Heimat zurück, um hier ihre vielversprechenden Forschungsarbeiten fortzuführen.

Frau Dr. Becker überzeugte das Kuratorium mit einem anspruchsvollen Projektantrag und ihrer bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichneten akademischen Karriere. In ihrem interdisziplinären Forschungsvorhaben »Maßgeschneiderte Zellfabriken« möchte sie Bakterien zu synthetischen Mini-Fabriken für die Herstellung seltener Wirkstoffe weiterentwickeln, mit denen zum Beispiel Infektionen oder Tumorerkrankungen bekämpft werden können. Für das Design der Zellfabriken sollen molekulare Arbeiten mit Computersimulationen verknüpft werden.

Mit dem ihr verliehenen Förderpreis will Frau Dr. Becker Forschungsarbeiten finanzieren, um einzelne Stoffwechselwege in den Zellfabriken zukünftig noch gezielter für eine gewünschte Produktion kontrollieren zu können. Zudem wird sie den Förderpreis für einen Aufenthalt in den USA nutzen, um dort 2020 ihre Ergebnisse bei der führenden Metabolic Engineering Conference vorzustellen und Kontakte für weiterführende Kooperationen zu knüpfen.


Lisa Saterdag, geb. 1997 in Saarlouis, studierte an der Hochschule für Musik Saar Klavier bei Prof. Kristin Merscher und derzeit Violine bei Prof. Joshua Epstein.

Sie konzertiert an beiden Instrumenten als Solistin, Kammermusikerin und in diversen Orchestern, u. a. bereits in der Vertretung des Saarlandes beim Bund in Berlin, im Schloss Schwetzingen, im Rahmen der Musikfestspiele Saar, dem Festival der Kammermusik in Stara Zagora (Bulgarien) und dem Festival International Théodore Gouvy (Frankreich).

Die Unterstützung der Stiftung ermöglicht ihr die Anschaffung eines Meisterbogens, welcher sie beim Erlernen weiterer Bogentechniken fördern und ihr Spiel an Klangfarben bereichern wird. Parallel zu ihrem Studium wird sie an Meisterkursen im In- und Ausland teilnehmen, um weitere musikalische Impulse und Inspirationen zu erhalten, sowie verschiedene Kulturen kennenzulernen und mit anderen Musikern zu arbeiten.


Die Hans-und-Ruth-Giessen-Stiftung

Die gemeinnützige Hans-und-Ruth-Giessen-Stiftung wurde anlässlich des 90. Geburtstages von Hans Giessen († 03.05.2017) am 26. Februar 2017 gegründet, um besonders begabte junge Menschen in den Bereichen Naturwissenschaften, Medizin und klassische Musik zu fördern. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt im Saarland, mit dem sich Hans Giessen sehr verbunden fühlte: »Hier habe ich meinen beruflichen Erfolg begründet und deshalb sollten junge Menschen aus dieser Region davon profitieren.«

Die Förderentscheidungen der Stiftung werden vom Kuratorium der Stiftung (Prof. Thomas Duis, Ehemaliger Rektor der Hochschule für Musik Saar | Dr. Hanspeter Georgi, Minister für Wirtschaft und Arbeit a. D. | Prof. Dr. Volker Linneweber, Präsident der Universität des Saarlandes a. D.) vorbereitet und vom Vorstand des Trägers der Stiftung (Franz J. Abel, Mathias Beers, Wilhelm Burgemeister) getroffen. Dabei nutzen Kuratorium und Vorstand des Trägers die Expertise von Fachleuten aus den genannten Bereichen und Institutionen. Die Vorschläge werden über die Institutionen an das Kuratorium herangetragen. Die Stiftung möchte aufwändigere Vorhaben unterstützen, etwa einen Auslandsaufenthalt, die Erarbeitung eines Projektantrags oder ergänzende Maßnahmen im Rahmen eines Forschungsvorhabens. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt steht eine Förderung besonders begabter Studierender und von Vorhaben in der Promotions- oder PostDoc-Phase an den Saarländischen Hochschulen im Vordergrund.

Hans Giessen war 1979 Gründungsmitglied des Rotary Clubs St. Ingbert. Seither war er Aktives Mitglied dieses Clubs und gemeinsam mit seiner im Jahre 2011 verstorbenen Ehefrau Ruth in diesem Club tief verwurzelt.

Über fast vier Jahrzehnte hat Hans Giessen somit die engagierte Arbeit des Rotary Clubs St. Ingbert in seinen vielfältigen einem Serviceclub obliegenden Bereichen miterlebt und mitgestaltet. In dieser Zeit sind viele intensive persönliche Freundschaften zu seinen rotarischen Freunden in St. Ingbert entstanden. Es lag für ihn somit nahe, seine über Jahre gewachsene Stiftungsidee den St. Ingberter Rotariern anzuvertrauen. Dabei hat Hans Giessen als konkreten juristischen Träger der Stiftung den Gemeinnützigen Verein der Freunde Rotary St. Ingbert e.V. bestimmt.

Die Gremien des Trägers führen die Stiftung in vollem Umfang ehrenamtlich. Das Stiftungsvermögen wird somit in keiner Weise mit Personalkosten belastet, sondern steht mit Ausnahme geringer Sachkosten in voller Höhe für den Stiftungszweck zur Verfügung.

Konkreter Ansprechpartner in allen Fragen der Stiftung ist derzeit der St. Ingberter Rotarier Notar a. D. Wilhelm Burgemeister, der auch bereits zu Lebzeiten von Hans und Ruth Giessen die Umsetzung deren Stiftungsidee begleitet hat.

Kontakt:
Hans-und-Ruth-Giessen-Stiftung
Wilhelm Burgemeister | Notar a. D.
Wittemannstraße 4, 66386 St. Ingbert

Tel.: 06894 - 9 66 00 77
info@hr-giessen-stiftung.de
www.hr-giessen-stiftung.de

 

Quelle: Pressemitteilung der Hans-und-Ruth-Giessen-Stiftung